465woerter

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[403von465] eine Geschichte, 2. Teil: …die Sage erzählte. Damit sollte sie Recht behalten. „Du hast die Macht des Taurus geweckt, Karia!“, sprach die Schlange weiter. „Schon lange ertragen wir das Elend, das dieser Welt widerfährt, auch deine Trauer, die du mit dir trägst, ist uns bekannt. Der Taurus hat die auserwählt, diese Welt wieder liebenswert und die Natur wieder lebendig zu machen, dir bleibt keine Wahl, wenn dir etwas an deiner Welt liegt!“. Karia konnte das Wirrwarr in ihrem Kopf nicht ordnen, doch noch ehe sie sich versah, nickte sie der Schlange zu und besiegelte so ihr Schicksal, das ungewiss war. Die Schlange nickte zurück, setzte zum Biss an und ließ ihr Gift in den starken Fels des Taurus strömen. Der Fels riss auf und begann zu bröckeln. Ein Stier, mächtig und stark erhob sich aus dem zerbrochenen Gestein. Schweigsam, ohne Karia oder die Schlange zu beachten, die auf seinem Rücken saßen. Er war so groß, dass sich die gesamte Welt überblicken ließ. Er schritt Richtung Meer, das vom Hass schwarz geworden war, und ließ sich in die Brandung gleiten. Das Meer fing an zu schillern wie tausend und abertausende grüne und blaue Schmetterlinge, es flatterte und bewegte sich. Der Stier opferte nun den Glanz seiner Augen und das Meer funkelte, wie es nie zuvor gefunkelt hatte. Karia musste bei diesem Anblick lächeln und gleich einer göttlichen Kraft, ging die Sonne auf, ganz rein und klar und fing an, die Erde zu wärmen. Die Schlange wandte sich auf dem Rücken des Stieres und als sie zur Ruhe kam, stand auch der Mond am Himmel, der Schlange jedoch fehlte ein Auge. Die toten Wälder jenseits des Elfenlandes waren bereits schwarz verbrannt vom Hass. Wieder wandte sich die Schlange und diesmal verlor sie ihre Haut, deren schimmerndes Grün auf die Wälder hinab fiel und sie wieder lebendig machte. Karia merkte, wie ihre Flügel zuckten, sich von ihrem Rücken lösten und sich verselbstständigten und ehe sie sich versah, standen Wolken am Himmel, unschuldig und weiß. Sie durchschritten die gesamte Welt. Alles wurde wieder neu und einzigartig. Das Lachen und Tanzen, die Einigkeit und die Liebe kehrten zurück. Ein zweites Mal, mit letzter Kraft, bevor sie sterben sollte, biss die Schlange in den Leib des Stieres. Er wurde kleiner, sein Fell verblasste. Er versank in einem Wirbel, der so hell war, dass Karia ihre Augen verdecken musste. Als die diese vorsichtig wieder öffnete, stand sie einem Elfen gegenüber und sie wusste, dass sie ihn liebte. Gemeinsam regierten sie von nun an das neue Land. [Lana Ikri]

Kreatives Schreiben. Profilkurs Deutsch. 2003. „(…) Gestaltung. Moderne Literatur ist aber immer auch eine Auseinandersetzung mit Ideen und Vorgängen des täglichen Lebens. Insofern geht es in den Gedichten und Geschichten nicht nur um „Blumen“ und „Liebe“, sondern um eine subjektive Verarbeitung von Eindrücken.“